„Alles bewege sich und nichts habe Bestand…“ – ein Rückblick

Unter dieser dem Philosophen Heraklit zugeschriebenen Metapher stand die Kunstperformance, zu der die Initiative STADT.KUNST am Mittwochabend des 12. September 2018 eingeladen hatte, gleich in mehrfacher Hinsicht:

Der Ort der Aufführung am östlichen Ende der Uhlandstraße im Hertener Ortsteil Disteln war bewusst gewählt mit seiner Nähe zum Resser Bach und zum Backumer Bach – beides ja Wasserläufe, die sich im Zuge des großangelegten Umbaus des Emschersystems verwandeln werden zurück in ein naturnahes Gewässer.

Die Jongleure Marie Seeger und Thomas Dürrfeld sowie der Schlagzeuger Hannes Lingens nahmen in einer Choreographie von Katrin Wegemann diesen realen Hintergrund sich verändernder Landschaft auf und zeichneten in ihrer Performance bewegte Bilder und Fantasien, die von Veränderungen, von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Flusslandschaft erzählen wollten, sich visuell schnell verflüchtigten, aber umso mehr ins Gedächtnis einprägten.

Fast 100 Zuschauer – Kunstbegeisterte, neugierige und interessierte Anwohner, staunende Kinder – verfolgten gespannt die Performance, die Kunsthistoriker Reinhard Buskies im Anschluss als außergewöhnliche Kunstveranstaltung im öffentlichen Raum einordnete – sowohl im Hinblick auf die Art der künstlerischen Darbietung als auch wegen der thematischen Auseinandersetzung, in der Kunst und reale Geschehnisse eine enge Verbindung eingehen.

Das Kunstprojekt war Teil des vom Kultursekretariat NRW in Gütersloh geförderten landesweiten Programms „Stadtbesetzung III – Freiraum / Leerstand“ und wurde finanziell auch von der Emschergenossenschaft unterstützt. Claudia Schwidrick-Grebe als Leiterin des Kultursekretariats und Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, bedankten sich in ihren Grußworten für die Aufführung und würdigten das Engagement der Initiative.

Mit dem Dank der Initiative an alle Beteiligten und Kooperationspartner schloss Wolfgang Seidel diesen besonderen Abend.

Die nachfolgende Bildstrecke enthält Aufnahmen von Roland Baege (RB) und Dr. Rainer Lange (RL).

„Alles bewege sich und nichts habe Bestand…“ – Kunstaktion in der Presse

Mit freundlicher Genehmigung der Hertener Allgemeinen geben wir hier die Presseartikel wieder, die zur Kunstaktion der Initiative STADT.KUNST am 12. September erschienen sind:

„Alles bewege sich und nichts habe Bestand…“

12. September 2018: Wenn die Baustelle zum Schauplatz für Kunst wird.

Die Sommerpause ist vorbei und wir wollen gleich wieder ein spannendes Zeichen für die Kunst im öffentlichen Raum setzen:

Im Rahmen des NRW-weiten Projektes Stadtbesetzung III realisieren wir eine außergewöhnliche Kunstaktion aus Anlass des Umbaus der Gewässer Backumer Bach und Resser Bach in Herten.

Zwei Jongleure und ein Musiker treten an einem ungewohnten Ort in ein Wechselspiel der besonderen Art. Keulen fliegen durch die Luft, lassen kunstvolle Figuren und angedeutete Bilder entstehen, die mit live-gespielten Klängen korrespondieren und interagieren. All dies folgt einer präzise ausgearbeiteten Choreografie, die die Künstlerin Katrin Wegemann gemeinsam mit den Jongleuren Marie Seeger und Thomas Dürrfeld sowie dem Musiker Hannes Lingens im Rahmen des vom Kultursekretariat NRW initiierten Projektes Stadtbesetzung III entwickelt hat. Die Performance wird aufgeführt im Umfeld der Baustellen am Backumer Bach und Resser Bach im Grenzbereich der Städte Herten und Recklinghausen.

Die Bäche kennen viele seit Jahrzehnten als offene betonierte Rinnen, durch die ungeklärte Abwässer in die Emscher abgeführt werden. Im Zuge des Emscher-Umbaus werden auch diese Bäche im Anschluss an den Kanalbau durch die Emschergenossenschaft naturnah umgestaltet. Der aufwändige Umbau des Emscher-Systems symbolisiert nicht zuletzt den tiefgreifenden Wandel, der die Identität und das Erscheinungsbild der gesamten Region verändert. Unter dem Titel „Alles bewege sich und nichts habe Bestand…“ setzt sich das Hertener Kunstprojekt mit den Prozessen des Wandels auseinander und thematisiert die Veränderung der Gewässer und der Landschaft am Backumer Bach und Resser Bach.

Die gegenwärtige Baustelle mit ihren Baggern und Bulldozern, mannshohen Betonröhren und aufgeschütteten Erdhügeln dient dabei gleichermaßen als thematischer Anknüpfungspunkt wie auch als eindrucksvolle Kulisse für die dreiteilige audiovisuelle Performance, die sich auf Entwicklungen der Vergangenheit, gegenwärtige Handlungspotentiale und zukünftige Perspektiven im Spannungsfeld von urbanem Umfeld und gestalteter Natur bezieht.

Die Performance regt zu einem Nachdenken über Künstlichkeit und Natürlichkeit an, sind doch auch die umgestalteten Bäche letztlich ein künstlich geschaffener Naturraum, eingerichtet im urbanen Zwischenraum der Städte Herten und Recklinghausen. Zugleich machen die nur im Augenblick existierenden Bilder und flüchtigen Klänge der künstlerischen Intervention deutlich, dass jeder erreichte Zustand niemals endgültig, sondern wiederum Ausgangspunkt für weitere Prozesse des Wandels ist. „Alles bewege sich und nichts habe Bestand…“

Das Projekt wird vom Kultursekretariat NRW und von der Emschergenossenschaft gefördert und in Kooperation mit der Stadt Herten realisiert.

Wer – Wann – Wo?

Marie Seeger (Jonglage) Thomas Dürrfeld (Jonglage) Hannes Lingens (Musik) Katrin Wegemann (Choreografie)

Einführende Worte: Reinhard Buskies M.A. Kunsthistoriker

Mittwoch 12. September 2018 18:00 – 19:00

Uhlandstr. Nähe Hs.Nr. 124, 45699 Herten