KUNST besetzte STADT – ein Rückblick…

… von Dagmar Hoytzyk

Der bunte Rauch hat sich in Luft aufgelöst, die Fetzen zertrümmerter Kunststofftörtchen sind weggefegt. Der Kunst-Monat September in Herten ist Geschichte. „Eine richtig gute Geschichte“, wie Wolfgang Seidel, Rainer Lange und Gregor Spohr von der Initiative STADT.KUNST finden. Gemeinsam haben sie vier Künstlerinnen und Künstler aus Berlin für den einen Monat nach Herten geholt. „KUNST besetzt STADT“ hieß die Aktion. „Watt is datt?“, fragte ein älterer Mann an einem Freitag auf dem Wochenmarkt. Kunst, bekommt er zur Antwort. Kunst, die nicht bleiben will, sich nicht käuflich macht.

Datt is datt, – was aufmerksame Hertener mehr oder weniger zufällig erlebt haben.

Die agierenden Künstlerinnen und Künstler Klara Adam, Markus Zimmermann, Per Olaf (Ole) Schmidt (alle Berlin) und Katrin Wegemann (Berlin/Herten) sind in einem Alter. Zwischen 35 und 38 Jahre alt. Sie kannten sich flüchtig bis gar nicht, bildeten dennoch in der Hertener Innenstadt eine Wohngemeinschaft. Von dort schwärmten sie aus, jeder der eigenen Idee folgend. Die Ideen waren höchst unterschiedlich, und dennoch hatten sie alle eines gemeinsam: Kunst als materiellen Wert gab es nicht.

Markus Zimmermann spielte auf dem Marktplatz vor allem mit Gefühlen. Wo Kaufen und Verkaufen die Norm sind, zertrümmerte er seine handgemachte Kunst. Und selbst wer beim Schnick-Schnack-Schnuck Gewinner eines Kunststoff-Törtchens wurde, behielt eben doch nur – Schnick-Schnack.

Um Gefühle ging es auch in der Liebesgrotte von Klara Adam, einer zugigen Hintertreppe des ehemaligen Kaufhauses Woolworth. Liebestrank und Liebesschleim, eine Liebesgeschichte bei sparsamster Beleuchtung und Höhlen-Tropfgeräuschen. „Kunst ist Phantasie“, sagt sie. Da ließ sich nichts in die Tüte packen.

Die Kunst von Katrin Wegemann wurde ausschließlich beim Finale am letzten Freitag sichtbar. Mit einer 8. Klasse des Neuen Gymnasiums Bochum zeigte sie in der Rolle der Choreografin zu Standbildern gefrorene Gefühle. Eine Minute Starre – dann zogen die Jugendlichen weiter. Konnten sie die Zeit anhalten, oder doch nur zwischen Gewürz- und Käsestand einer eiligen Kundin im Weg stehen?

Bunte Farbtupfer auf Gehwegen irgendwo in der Stadt und farbenfroher Rauch im Park, auf Dächern, auf der Halde: Alles wird weggewaschen vom Regen oder ist vom Wind verweht. Ole Schmidt malte und zündelte Botschaften in einer Farb-Ton-Kunstsprache, die der Musiklehrer Francois Sudre in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfunden hat. Auch davon kann man sich nichts ins Wohnzimmer hängen.

Also, watt is datt, mit der Kunst, die uns auf dem Weg zum Geldautomaten, zur Apotheke oder dem nächsten Bäcker streift?

„Is datt Aggressionsabbau?“, hatte der Mann auf dem Markt noch wissen wollen. Nein. Aggressiv waren die vier Gastkünstler beileibe nicht. Störend, irritierend, Fragen aufwerfend – auch heiter. Das waren sie schon eher. Kunst ohne Kommerz, Kunst für die persönliche Erinnerung, für Bilder im Kopf – die haben sie entworfen.

Und welche Botschaft hinterließen die letzten bunten Rauchzeichen von Ole Schmidt beim Finale der September-Kunst?

„Alles wird gut enden, wenn Du warten kannst.“

Die nachfolgende Bildergalerie zu „KUNST besetzt STADT“ zeigt Aufnahmen von Roland Baege (RB), Dagmar Hojtzyk (DH), Rainer Lange (RL) und Gregor Spohr (GS).

KUNST besetzt STADT – großes Finale am 29 und 30. September

Sie geben alles: kochen Tee aus Zeit und Liebe, lassen weiße Bälle schweben, geben Rauchzeichen und zertrümmern appetitliche Miniaturen – wenn sie sie nicht verschenken. Die Initiative STADT.KUNST hat für den Monat September vier Berliner Künstlerinnen und Künstler nach Herten geholt, um zu zeigen, wie eine friedliche Stadtbesetzung durch Kunst aussehen kann. Klara Adam, Katrin Wegemann, Markus Zimmermann und Per Olaf Schmidt werden – wenn nicht Spuren – so zumindest Zeichen und Erinnerungen hinterlassen.

Damit auch Sie spüren und erfahren, was „Urban Art“ im Jahr 2017 sein kann, laden wir Sie – zusammen mit unserem Kooperationspartner Stadt Herten – ganz herzlich zum großen zweitägigen Finale am 29. und 30. September ein, bei dem die Künstlerinnen und Künstler noch einmal irritieren, unterhalten, stören und überraschen wollen.

Seien Sie dabei am Freitag ab 10.00 Uhr bei der Aufführung “abrollen, hochfliegen, landen” von Katrin Wegemann zusammen mit einer 8. Klasse des Neuen Gymnasiums Bochum. Oder treffen Sie Markus Zimmermann auf dem Markt in der „Superfiliale“

Begegnen Sie am Samstag ab 14.00 Uhr Klara Adam bei Ihrer Aktion “So nicht!”, Markus Zimmermann in der “Superfiliale” und Per Olaf Schmidt, wenn er verdeutlicht, “Wir bleiben alle”.

Treffpunkt ist  an beiden Tagen am Ladenlokal der ehemaligen Woolworth, Ewaldstraße 16 in Herten. Von hier aus starten die Künstlerinnen und Künstler ihre jeweils etwa eineinhalbstündige Aktion.

Weitere Informationen finden Sie auch unter http://stadtbesetzung.de und unter http://stadtbesetzung.de/kategorie/staedte/herten.

 

Herten: KUNST besetzt STADT

Mehrmals haben wir es in unseren KUNST.GESPRÄCHen schon angekündigt. Jetzt freuen wir uns, Ihnen eine außergewöhnliche Kunstaktion vorstellen zu dürfen, die wir – in Kooperation mit der Stadt – im September in Herten zur Aufführung bringen werden. „KUNST besetzt STADT“ – so der Titel – wird vom 1. bis 30. September mit vier Künstlerinnen und Künstlern aus Berlin (und Herten) stattfinden. Mit öffentlichen Aktionen an allen September-Freitagen (8., 15. und 22. 9. von 9 bis 13 Uhr) auf dem Hertener Wochenmarkt und Abschlusspräsentationen am 29. und 30. September werden sie die Stadt künstlerisch besetzen.

Dagmar Hojtzyk gibt eine Vorschau:

Wenn weiße Bälle durch die Stadt wandern, meterlange Kabel neue Verbindungen schaffen, der Wochenmarkt zum Kunst-Markt wird – und noch viel mehr Merkwürdiges passiert, dann heißt es in Herten „Kunst besetzt Stadt“. Die Hertener Initiative STADT.KUNST holt dieses einmalige Ereignis im September nach Herten. Unter dem Titel „Stadtbesetzung II – Der menschliche Körper“ findet es in diesem Jahr in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens statt. Gefördert wird es vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und dem european centre for creative economy.

Wie kann man sich diese künstlerische Stadtbesetzung praktisch vorstellen?

Vier Künstlerinnen und Künstler aus Berlin und Herten gründen vom 1. bis zum 30. September an der Ewaldstraße 20 eine Wohngemeinschaft. Zeitweise wird auch das Erdgeschoss des ehemaligen Woolworth-Gebäudes an der Ewaldstraße 16 (heute im Besitz des Vereins Waldritter) als Raum für eine offene Werkstatt genutzt.

Die Künstlerinnen und Künstler Klara Adam, Per Olaf Schmidt, Markus Zimmermann (alle Berlin) sowie Katrin Wegemann (sie stammt aus Herten/Recklinghausen und lebt in Berlin) werden von ihrem Standort im Herzen der Stadt aus verschiedene Kunstaktionen durchführen.

Bildnachweis Katrin Wegemann

Für diese Kunstaktionen haben alle bereits gute Ideen. Wie es dann aber vor Ort aussehen wird, das lassen sie bewusst offen. Sie wollen sich von der Stadt inspirieren lassen. Ebenso suchen sie den Kontakt zu den Menschen in Herten. Alle Vier wollen mit ihrer Kunst sehr grundsätzliche Fragen thematisieren – vom Wert des Konsums bis zum Sinn des Lebens. Weiterlesen

(IM)MATERIAL – Vier Positionen zur zeitgenössischen Kunst – mit Katrin Wegemann

Das nächste KUNST.GESPRÄCH werden wir in Form einer Führung durch eine Ausstellung anbieten:

Noch bis zum 3. September läuft die Ausstellung „(IM)MATERIAL – Vier Positionen zeitgenössischer Skulptur“ mit Arbeiten von A/A (Andreas Greiner und Armin Keplinger), Aram Bartholl, Reiner Maria Matysik und Katrin Wegemann.

Der Kunstverein Bochum zeigt die Arbeiten im Haus Kemnade in Hattingen.

Katrin Wegemann, die ja auch Mitglied unserer Initiative ist, hat uns eingeladen zu einer Führung durch die Ausstellung am 29. August, von 16.00 Uhr – 18.00 Uhr.

Treffpunkt für alle Interessierten ist das Haus Kemnade, An der Kemnade 10 in 45527 Hattingen. Mit dem Pkw erreicht man Haus Kemnade über die A 43, Abfahrt Witten-Herbede, Richtung Hattingen.

Zur Vorab-Information über die Ausstellung hier der Link zur entsprechenden Webseite: http://www.kunstverein-bochum.de/ausstellungen/2017/immaterial.php .

documenta 14 im KUNST.GESPRÄCH

Nach Münster ruft nun Kassel zur Kunst.

Wie schon bei „Skulptur-Projekte Münster 2017“ will die Initiative STADT.KUNST auch beim zweiten Großereignis des Kunstsommers 2017, der  „documenta 14“ in Kassel, auf einen Besuch dort einstimmen in einem KUNST.GESPRÄCH und zwar am Dienstag, den 25. Juli 2017, ab 18.30 Uhr auf dem Hof Wessels.

Mit einem Überblick über das naturgemäß sehr intensive Medienecho zur documenta 14 wollen wir Konzeption und Zielsetzung, Höhepunkte und Kritisches zur Ausstellung vermitteln. Gregor Spohr, Rainer Lange  und Wolfgang Seidel haben die Medien durchforstet und werden mit ausgewählten Zitaten ein Schlaglicht auf die Diskussion um das Kunstereignis werfen. Gerne können Besucher auch die Ihnen vorliegenden Presseberichte mit in die Diskussion einfließen lassen.

Wir freuen uns auf einen anregenden Gedankenaustausch im Vorfeld des Besuches in Kassel. Wenn Sie sich vorab informieren wollen, empfehlen wir den Bericht über folgenden Link:  http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=67248.

Zum Besuch der documenta laden das Kulturbüro und die Initiative STADT.KUNST dann am Samstag, den 12. August 2017 ein. Es wird eine ungewöhnliche Entdeckungsreise: ein „Choristen-Spaziergang“ führt die Teilnehmer vom Friedrichsplatz zur documenta-Halle. Dieses Programm bietet die documenta zum ersten Mal an, es dauert zwei Stunden und ist keine Führung im klassischen Sinne. Vielmehr wird die Gruppe von einem geschulten „Choristen“ angeleitet, sich selbst Gedanken zu den Werken zu machen. Nach dem gemeinsamen Spaziergang besteht noch die Möglichkeit, individuell weitere Orte und Arbeiten der documenta zu entdecken.

Ablauf der Fahrt:  7:45 Uhr Abfahrt in Herten am Rathaus; 11-13 Uhr „Choristen-Spaziergang“ vom Friedrichsplatz zur documenta-Halle; 13-17 Uhr zur freien Verfügung; Rückfahrt um 17 Uhr. Diese Fahrt beinhaltet Bustransfer, Führung, Tageskarte und kostet 64 € pro Person. Anmeldung bis zum 28.7. über das Kulturbüro, Sylvia Seelert, Tel. (0 23 66) 303 543, E-Mail: s.seelert@herten.de.

STADT.KUNST besucht Skulptur Projekte Münster

35 neue künstlerische Positionen umfassen die Skulptur Projekte Münster 2017; sie verteilen sich über nahezu das gesamte Stadtgebiet, vom Aasee bis zum Hafen, vom der ehemaligen Eissporthalle bis zum Pumpenhaus am Fernmeldeturm.

Für die rd. 30 Kunstinteressierten aus Herten, die auf Einladung des Kulturbüros und der Initiative STADT.KUNST am Samstag, den 8. Juli in zwei geführten Touren der Kunst in Münster auf der Spur waren, blieb in den zwei Stunden zu Fuß der Innenstadtbereich rund um das LWL-Museum für Kunst und Kulturgeschichte vorbehalten. Aber der hatte es mit einer kompakten Präsentation von ganz unterschiedlichen Arbeiten künstlerisch in sich (siehe auch Bildergalerie am Ende): Weiterlesen

Zu Gast im Klub am 27. Juni – ein KUNST.GESPRÄCH bei Schlägel & Eisen e.V.

Eine ungewöhnliche Fotoausstellung, der Blick in ehemaligen Räume des Bergwerks Schlägel & Eisen und anregende Diskussionen zu Kunst und Kultur an diesem Standort sind zu erwarten, wenn wir am 27. Juni 2017 ab 18.30 Uhr im KUNST.GESPRÄCH zu Gast sein werden beim Klub Schlägel & Eisen e.V.

„Das Bild zeigt überhaupt nichts“ – mit diesem Titel macht die Fotoausstellung neugierig. In einem Auszug aus den Erläuterungen, die der Klub hierzu auf seiner Webseite gibt, heißt es: „Ausgangspunkt dieser Ausstellung ist ein Fund aus einem Archiv der Hibernia. Eine Fotografie von unter Tage war dort mit der Notiz versehen: ‚Muster eines schlechten Bildes. Das Bild zeigt überhaupt nichts.‘ Hatte der unbekannte Verfasser etwa die Rohrleitung, das Förderband und die Stempelreihe auf dem Bild übersehen? Oder reichte die technische Aussagekraft des Fotos nicht für den Einsatz in der Bergmannschule? Der Fund verdeutlicht, dass Qualität und Darstellungsgehalt eines Bildes im Auge des Betrachters liegen“.

Die beiden Fotokünstler Christian Kuck und Pierre Soff haben nun in den Räumen des Klubs höchst sehenswerte Bilder ausgestellt, die in ganz unterschiedlicher Weise … ebenfalls „nichts“ zeigen.

Nach der ExtraSchicht, bei der die Ausstellung bereits zu sehen war, steht sie nun mit ganz individueller Betreuung und Erläuterung und ganz für uns zur Verfügung.

Und nicht nur über diese Kunst im Klub, sondern über weitere denkbare Formen der Kunst und Kultur in den Räumlichkeiten der ehemaligen Schachtanlage lädt der Verein zur Diskussion ein. Nach dem Besuch der Initiative STADT.KUNST bei der Künstlerzeche „Unser Fritz“ ein sicher hochinteressanter und anregender Vergleich.

Empfangen werden wir von Kathi Schmidt, der stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage in Herten, am Glückauf-Ring 35-37.

Zur Vorinformation hier die Adresse der Webseite www.schlaegel-eisen.de .

The Hot Wire – Georg Elben über Kunst-Kooperation Münster – Marl

Am 4. Juni 2017 ist in Marl vor großem Publikum „The Hot Wire“ eröffnet worden, das Kooperationsprojekt von Skulptur Projekte Münster und dem Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl.

Am 4. Mai 2017, also mitten in der heißesten Vorbereitungsphase hat Georg Elben, der Direktor des Museums, dankenswerter Weise noch die Zeit gefunden, im KUNST.GESPRÄCH über Inhalte und Zustandekommen dieser Kooperation engagiert und spannend zu informieren.

Bei den zahlreichen Zuhörern, die bisher vor allem das „große Projekt“ in Münster im Blick gehabt haben mögen, fanden seine Ausführungen  lebhaftes Interesse und waren Werbung im allerbesten Sinne für ein ganz besonderes Kunstereignis in Hertens Nachbarstadt Marl.

Georg Elben schilderte – im Kontext der jungen Geschichte und der besonderen städtebaulichen Entwicklung der Stadtmitte Marls – die Entstehung und die künstlerische Bedeutung der Sammlung des Skulpturenmuseums, bei der mehr als 100 Arbeiten im Außenbereich, also im öffentlichen Raum nahe des Rathauses und rund um den Citysee, aber auch im übrigen Marler Stadtraum aufgestellt sind.

Dieses Konzept sei – so Elben – von den Münsteraner Kuratoren als eine Art Vorform des Münsteraner Skulpturen Projektes eingestuft worden und habe zusammen mit der so ganz andersartigen Stadtstruktur, als sie Münster aufweist, letztlich zur Auswahl von Marl als dem geeigneten Kooperationspartner geführt.

Foto: R. Lange

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