EMSCHERKUNST.2013 im KUNST.GESPRÄCH am 28. Mai 2013

Am 22. Juni startet die EMSCHERKUNST.2013. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange und an verschiedenen Standorten wahrzunehmen. Man muss nur etwa vom Kaisergarten am Schloss Oberhausen über die von Tobias Rehberger geschaffenen Brücke „Slinky Springs to Fame“ auf die Insel zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher gehen, um dort den Aufbau des zentralen Besucherzentrums in Oberhausen zu beobachten. Oder man blickt vom Dach des Gasometers Oberhausen nach Osten in Richtung Haus Ripshorst und nimmt die ersten Elemente des tanzenden Strommastes „Zauberlehrling“ der Künstlergruppe „Inges Idee“ wahr.

Die neugierige Spurensuche des Autors ist ausgelöst worden durch die hochinformativen Vorausschau auf das Kunstereignis, die es im KUNST.GESPRÄCH am 28. Mai 2013 aus allererster Hand zu sehen und zu hören gab.

Denn mit Frau Dr. Simone Timmerhaus stand die Ausstellungsleiterin der EMSCHERKUNST mit einem Vortrag und zur Diskussion und Nachfrage  zur Verfügung und konnte so die zahlreichen Besucher einstimmen auf das Kunstereignis, das als Kooperationsprojekt von Emscher-Genossenschaft, Regionalverband Ruhr (RVR) und Urbane Künste Ruhr durchgeführt wird.

 

„Slinky Springs to Fame“  –  Brücke von Tobias Rehberger
                                                                                                                         Foto:  Wolfgang Seidel

 

„Slinky Springs to Fame“ – ein Ergebnis der EMSCHERKUNST.2010, das aber erst im Jahr 2011 realisiert werden konnte – wird auch diesmal die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und neben dem  schon erwähnten „Zauberlehrling“ konnte Simone Timmerhaus weitere neue und ungewöhnliche Projekte ankündigen:

So wird z.B. unter dem Titel „Aus der Aufklärung“ der chinesische Künstler und Architekt Ai Weiwei 1.000 farbige Igluzelte für Besucher und Anwohner während der Open-Air-Kunstausstellung entlang der Emscher zum Übernachten aufstellen.

 

Ai Weiwei in Peking mit den Zeltenentwürfen für sein Projekt „Aus der Aufklärung“
Foto: GALERIE URS MEILE LUCERNE

Der argentinische Künstler Tomás Saraceno wird einen überdimensionalen Drachen aufstellen. Die Skulptur „Graham Bell’s Ring Kite“ wird auf der Spitze des ehemaligen Kohlebunkers im Gelsenkirchener Nordsternpark zu sehen sein.

„Ring Kite – the solar orchestra and the wind structures“ von Tomás Saraceno auf dem ehemaligen Kohlebunker im Gelsenkichener Nordsternpark
                                                                                               Foto: Roman Mensing/EMSCHERKUNST.

 

Und ein letztes Beispiel aus der Fülle der vorgestellten Projekte: Der gebürtige Duisburger Künstler Reiner Maria Matysik wird unter dem Titel „Emscher in Wolken“ mit Hilfe einer Maschine das Wasser der Emscher im Bereich der Emschermündung in Dinslaken, einer abwasserfreien Strecke der Emscher, in wolkenbildenden Dampf umwandeln, womit die Maßnahmen des Emscher-Umbaus unmittelbar beleuchtet werden sollen: „Inwieweit ist eine Renaturierung bzw. ein naturnaher Umbau möglich? Welche Natur ist überhaupt gemeint, zu der hin gebaut werden soll? Ist es überhaupt möglich ist in Richtung Natur zu bauen“? U.a. diese Fragen will das Projekt von Matysik aufwerfen.

Simone Timmerhaus machte deutlich, dass es natürlich ein Hauptanliegen der EMSCHER.KUNST ist, mit den Mitteln der Kunst auf die gewaltigen Veränderungen aufmerksam zu machen, die durch den Umbau des Emschersystems und die Umgestaltung des Emscherraumes entstehen. EMSCHERKUNST will zu einer anderen Wahrnehmung und zur Auseinandersetzung mit diesem Transformationsprozess einladen und die Identifikation mit dem Raum stärken.

Schwerpunkt der EMSCHERKUNST.2013 ist das westliche Emschergebiet von Gelsenkirchen bis zur Mündung in den Rhein. Rund 47 qkm umfasst dieser Ausstellungsraum mit den beteiligten Städten Duisburg, Dinslaken, Oberhausen, Essen, Bottrop und Gelsenkirchen.

Auch diesmal werden zahlreiche Arbeiten realisiert, die nur temporären Charakter haben – ein Grund mehr, als Besucher die Projektlaufzeit zu nutzen.

Zwei Anregungen aus den Erfahrungen der ersten EMSCHERKUNST werden umgesetzt. Verstärkt kommen partizipative Projekte zur Umsetzung, etwa  beim Kunstwerk der Slowenin Apolonija Šušteršič,  bei dem von Anfang an Bürgerinnen und Bürger in den Entstehungsprozess mit einbezogen, wenn es darum geht, einen Jugendtreff mit Spielplatz in Oberhausen-Holten auf dem heutigen Gelände wegen des Emscherumbaus abzureißen und in unmittelbarer Nähe des alten Standortes neu aufzubauen. Apolonija Šušteršič  wird ihren Entwurf für das neue Gebäude inklusive Außengestaltung mit der Bevölkerung vor Ort verwirklichen.

Ein weiteres Projekt zur Einbindung der Bevölkerung und der Besucher wird von der deutschen Künstlerin Anna Witt in Zusammenarbeit mit der schwedischen Designergruppe Uglycute unter dem Titel „Breaking new“ verwirklicht. Über den gesamten Ausstellungzeitraum werden gefundene, weggeworfene Materialien in Gebrauchs-Objekte transformiert; die neuen Objeket werden dort auch zurückgelassen, um benutzt, neu platziert oder mitgenommen zu werden. Das Projekt wird in den Straßen von Duisburg-Marxloh und Umgebung umgesetzt.

Anna Witt zusammen mit den ersten aus Sperrmüll neu produzierten Möbeln des Projekts „Breaking New“ in Duisburg-Marxloh
Foto: Urbane Künste Ruhr

 

Die gewünschte stärkere Einbindung der Kunstszene im Ruhrgebiet wird diesmal in einem Gemeinschaftsprojekt der Kunstvereine im Ruhrgebiet realsiert. Dabei verschmelzen die KunstVereineRuhr mit neun Ausstellungen, drei aufeinander folgenden internationalen Artist-Residencies sowie einem Film- und Musikprogramm zu einem sich stetig verändernden utopischen Ort: dem BLOWIN` FREE Containerdorf mit dem zentralen Veranstaltungsort beim Besucherzentrum an der Brücke „Slinky…“. Mit dabei ist übrigens für den Dortmunder Kunstverein die Hertener Künstlerin und Mitglied unserer Initiative Katrin Wegemann mit dem Projekt „HÜPFEN“.

Simone Timmerhaus hat mit ihren Informationen die Neugier auf das Kommende bei den ohnehin gespannten Besuchern noch einmal kräftig steigern können. Sie hat aber auch die Diskussion angeregt über den Stellenwert von künstlerischen Aktivitäten – über das Ästhetische hinaus – als eigenwertige und -ständige Begleitung großer räumlicher, landschaftlicher, aber auch sozialer Veränderungsprozesse. Dabei war auch Thema in der Diskussion das Agieren in Netzwerken, speziell das Zusammenwirken der Kooperationspartner der EMSCHERKUNST mit den anderen der Kunst verpflichteten Institutionen in der Region. So wurde Simone Timmerhaus konkret die Anregung mitgegeben, die RuhrKunstMuseen – das seit dem Kulturhauptstadtjahr installierte Netzwerk der Kunst-Museen des Ruhrgebietes – als wichtigen Kooperationspartner mit an Bord zu nehmen. Damit könnte die Signalwirkung für einen gemeinschaftlich agierenden Kunstraum Ruhrgebiet mit dem besonderen Schwerpunkt der Kunst im Wandel des industriellen Raumes verstärkt werden.

Die Projekte der EMSCHERKUNST.2013 konnten in diesem Bericht natürlich nur angerissen werden. Ausführliche Informationen zu den genannten und allen anderen spannenden künstlerischen Arbeiten finden Sie aber im Internet unter www.emscherkunst.de.

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