Das Apsis-Mosaik in der ehem. St. Johannes-Kirche

Das prächtige Mosaik „Selig, die zum Hochzeitsmahle des Lammes geladen sind“ bedeckt die gesamte Wandfläche der halbrunden mit einer Halbkuppel abgeschlossenen Apsis (Konche) in der ehem. Kirche St. Johannes in Herten-Bertlich. Mit 130 qm gilt es als das größte Kirchenmosaik nördlich der Alpen und zeigt in mehreren figürlichen Szenen das Himmlische Jerusalem.

Foto: Gregor Spohr

Nach einer Reise von Gemeindemitgliedern der Kirche nach Ravenna festigt sich der Plan, die Apsis zu gestalten. 1963 wird die Ordensschwester und Kirchenkünstlerin Erentrud Trost aus der Benediktinerabtei Varensell bei Gütersloh beauftragt, ein Mosaik zu entwerfen.

„Das Thema der Darstellung wurde der Apokalyse des Johannes entnommen: „Beati, qui ad cenam nuptiarum agni vocati sunt“. Der Entwurf orientiert sich jedoch keineswegs an italienischen oder anderen Vorbildern, sondern bietet Neues: Die ausgestreckte Hand als eigentlicher Zugang in die Stadt ist einzigartig. Auch die gebogene Staffelung der Wandpartien mit elf Toren ist ein Einfall der Nonne. Schließlich ist auch die Kombination von Himmlischem Jerusalem oben und Abendmahlszene unten einleuchtend, aber ohne Vorbild“ (1).

Das Geld für das Rohmaterial dieses Mosaiks wird durch eine Kollekte der Bergmannsfamilien in Bertlich in Höhe von 40.000 DM eingebracht.

Zur Ausführung der Arbeiten im Jahr 1964 heißt es in einer der Quellen: „Bis zum Jahresende war der Entwurf fertiggestellt. Unmittelbar danach wurde ein Gerüst aufgestellt, damit die Rundung maßgerecht gezeichnet werden konnte, und im Juni begannen Benediktinerinnen, das Mosaik zu setzen. Die Steine wurden auf Platten geklebt und nummeriert“ (2). „Die einzelnen Steine sind mit ihrer zumeist querrechteckigen Form und ihrer Größe von durchschnittlich 5×3 cm sehr viel größer als klassische Mosaike“ (3). „Über 1.075 Platten waren in Varensell entstanden und wurden dann von den Nonnen Erentrud, Bonaventura und Laeta in den frischen Putz gesetzt. Die Aufsetzung der Mosaikplatten musste nach einer festen Ordnung geschehen, der Zement durfte nicht zu hart sein. Er wurde am Tage vorher grundiert, dann frisch geputzt und darin die Mosaikplatten gesetzt. Dann kamen die vielfältigen Ausbesserungen. Sobald die Platten einen Tag festsaßen, wurden das Papier und der Klebstoff abgewaschen. Später musste der Zement abgewaschen und abgekratzt werden. Die Arbeiten waren dennoch bis zum Jahresende abgeschlossen“ (4).

Die Künstlerin Erentrud Trost, geb. am 7. März 1923, entstammt einer Paderborner Familie. Nach dem Abitur 1941 in ihrer Heimatstadt studiert sie Medizin und wurde 1944 in den Sanitätsdienst verpflichtet. Geprägt von diesen Erlebnissen tritt sie im Jahr 1946 in den Benediktinerorden ein, besucht drei Jahre die Werkkunstschule in Münster und macht sich bald als Kirchenkünstlerin einen Namen. Gott zu danken, ist ihre Botschaft. Auferstehungsthemen sind dabei ihr besonderes Sujet, Glasfenster und Mosaiken ihre bevorzugten Ausdruckformen. Im Neubau des Klosters kann ihr sogar eine eigene Mosaikwerkstatt eingerichtet werden. Bei der Ausführung ihrer künstlerischen Arbeiten legt sie selbst tatkräftig mit Hand an. Ihre erste Arbeit an der Varenseller Abteikirche ist ein Mosaikbild mit dem Lamm aus dem siebten Kapitel der Offenbarung des Johannes. Das Lamm, auf einem kreuzförmigen Hintergrund stehend, ist umgeben von weißgekleideten Gestalten, von denen es heißt, dass sie vor dem Thron und vor dem Lamm stehen und Palmenzweige in den Händen tragen. Dieses Mosaik entwickelt Modellcharakter für zahllose spätere Aufträge aus dem In- und Ausland (5), so auch für das Mosaik in St. Johannes.

Entsprechend lang ist auch die Werkliste, die Wikipedia unter ihrem Namen aufführt (6); dabei fehlt dort sogar die Arbeit in Bertlich! Ganz in der Nähe hat Erentrud Trost die Glasfenster in der Marienkirche in Marl-Lenkerbeck und ein Mosaik in der St. Marienkirche in Haltern am See geschaffen. Ihr unverwechselbarer eigener Stil lässt sich vor allem am Ausdruck der Gesichter und an den Händen der Gestalten ablesen. Die Künstlerin verstirbt am 14. April 2004 in Varensell.

Im Jahr 2004 beschreibt der Restaurator Thomas Lehmkuhl die Notwendigkeit von Restaurierungsarbeiten in St. Johannnes: „Am Mosaik zeigten sich zwar keine substanziellen Schäden, jedoch waren umfangreiche Anlagerungen der Oberflächen mit Schmutz, Staub, Spinnweben und Ruß zu verzeichnen. Diese sind durch eine sorgfältige und fachgerechte Reinigung mit Staubsauger und geeigneten Spezialschwämmen ohne Feuchteeintrag aus optischen und konservatorischen Gründen dringend abzunehmen. Werden diese Ablagerungen belassen, werden diese sich mittelfristig zu schwarzen und hartnäckigen Schichten verdichten, die bedeutend schwieriger von den Oberflächen zu entfernen sind als im aktuellen Zustand“ (7). Nicht bekannt ist, ob diese Arbeiten auch durchgeführt worden sind.

Am 13. April 2008 wird St. Johannes profaniert und steht leer, bis der Hertener Investor Eckehard Klein das Gebäude erwirbt und zusammen mit dem Architekten Dr. Hermann Klapheck aus Recklinghausen Pläne für eine Nachfolgenutzung als Wohnanlage vorlegt, die auch den Erhalt des Mosaiks im neuen Treppenhaus vorsieht. Seit Februar 2018 liegt die städtische Baugenehmigung für die Pläne vor.

Quellen:

(1) Claus Bernet; https://www.flickr.com/photos/himmlischesjerusalem/5696914209/in/photostream/;

(2) Claus Bernet; ebda;

(3) Thomas Lehmkuhl; http://www.thomas-lehmkuhl.de/mosaik/4.html;

(4) Claus Bernet; ebda;

(5) Totenchronik Schwester Erentraud Trost OSB; Varensell 2004,

(6) https://de.wikipedia.org/wiki/Ehrentrud_Trost

(7) Thomas Lehmkuhl; ebda.