Murals und mehr – Rückblende auf den KUNST.SPAZIERGANG am 3. April

Die gesamte Hauswand nimmt das Mural an der Ewaldstr. 97 ein, kontrastiert zu den Werbeplakaten und dem davor liegenden Auto-Abstellplatz, ja eigentlich zu allem, was im Blickfeld ist, wenn man diese großflächige Arbeit betrachtet. Ineinander verschachtelte Farbflächen und bildhafte Elemente, wie etwa ein Adlerkopf, heben sich von der unifarbenen violetten Fläche ab. Konkret und bestimmend, aber scheinbar ohne inneren Zusammenhang zum übrigen Bild, sind die beiden gleichgestalteten Frauenfiguren im unteren Bildteil.

alle Fotos: Wolfgang Seidel

Bestimmend, von großer ästhetischer Qualität, aber rätselhaft wirkt gleich dieses erste Mural, dem die kunstinteressierte Gruppe bei der Streetart-Begehung im Hertener Süden gegenübersteht. Die Künstler The Top Notch (David Hufschmidt) und Demon (Ingo Ahlhorn) – zwei der ganz Großen der Graffiti-Malerei – haben sich hier erstmals mit Johanna Lüffe, von der die Frauenfiguren stammen, zusammengefunden.

Entstanden ist es, wie fünf weitere Murals in Herten-Süd, im Rahmen des städteübergreifenden Projektes „Urban Fine Art Meeting“, das,  vom Land NRW gefördert, in den Städten Dortmund, Essen, Hagen, Hamm und eben in Herten unter der künstlerischen Leitung von Jan Schoch und Peter Petersen 2016 und 2017 umgesetzt worden ist. So erläutert es Claudia Heinrichs, die das Projekt im Kreativ-Quartier Herten und seitens der Stadt betreut hat, den Teilnehmern.

Ebenso stadtbildprägend und beeindruckend wirkt das zweiteilige Mural am Gebäude der Diakonie in der Ewaldstr. 72. Madame Moustache und Kurt Quimi haben es in einer halben Woche von einem Hubsteiger aus in schwindelnder Höhe erstellt. Die im Original „geklebte“ Madonna ist inzwischen durch ein neues gemaltes Kunstwerk von Quimi und Jan Stoch ersetzt worden.

Beide Figuren scheinen wie Schutzpatrone über das Gebäude zu wachen, in dem die Diakonie sich ja real um Schutz- und Hilfebedürftige kümmert.

Der Start des „Urban Fine Art Meeting“ hat im Oktober 2016 im Hof von Art.62 an der Ewaldstr. 62 stattgefunden und zwar mit einer Projektionswand, gestaltet zunächst von vier Künstlern unter Leitung der Kuratoren Schoch und Petersen. Diese Wand wird seitdem ständig weiterentwickelt und verändert unter der künstlerischen Obhut von Art.62.

Eine erstaunliche Zahl großer auffallender Murals und kleinerer, eher versteckter Graffiti kann Frau Heinrichs auf dem sehr lohnenden Rundgang noch zeigen und erläutern – zuletzt am Gebäude des Vereins Waldritter e.V., entstanden aus einem Projekt mit Kindern und Jugendlichen.

In der Ludothek der Waldritter e.V. zeigen dann Thomas Buchenau, Leiter der städtischen CreativWerkstatt, und Michael Rockstein, dort Dozent für Graffiti und Street Art, in ihrem bebilderten Bericht auf, wie sehr sich diese Kunstformen in der pädagogischen Arbeit für die Entfaltung von Kreativität von jungen Menschen eignen und zu sehr spannenden eigenen Ausdrucksformen führen können.

alle Fotos: Wolfgang Seidel

Auch Hintergründiges über die Graffiti- und Sprayer-„Szene“ wird von den erfahrenen Dozenten beleuchtet.

Für einen kundigen Einblick in die besondere Welt der Street Art an diesen Abend sei den Akteuren Claudia Heinichs, Thomas Buchenau und Michael Rockstein herzlich gedankt, ebenso wie Dirk Springenberg vom Verein Waldritter e.V. für seine Gastfreundschaft.