Rainbow – die Aufführung

Freitagnachmittag, 20. September 2019: Vier große gläserne Vitrinen stehen mitten in Hertens Innenstadt auf der Hermannstraße. Sie stehen im Abstand von 20 bis 30 Metern. In ihnen tanzen vier Tänzerinnen und Tänzer, jede bzw. jeder für sich, zwar nach der gleichen Musik, aber räumlich getrennt, also isoliert voneinander. Und jede Tänzerin, jeder Tänzer interpretiert die über Lautsprecher an den Vitrinen zugespielte Musik auf individuelle Weise und in einer anderen Kostümierung, die auf unterschiedliche Kulturräume anspielt.

Die zahlreichen Menschen, die die Hermannstraße an diesem Freitagnachmittag begehen oder sich dort aufhalten, werden – soweit sie nicht sowieso gezielt gekommen sind – zwangsläufig Zeuge dieser Performance. Einige gehen irritiert vorbei, drehen eventuell noch einmal neugierig den Kopf nach hinten, wieder andere laufen oder fahren mit dem Rad zügig vorbei, sie wollen offensichtlich nicht involviert werden. Die meisten Passanten aber bleiben überrascht stehen und verfolgen fasziniert und interessiert und mit großer Anerkennung das Geschehen. Vor allem Kinder hängen mit großen Augen an den Bewegungen und Kostümen.

Etwa 10 Minuten dauert eine Aufführung der Tänzerinnen und Tänzer, dann verharren sie nahezu regungslos und in sich gekehrt in den Vitrinen, während der Song „Somewhere over the Rainbow“ von Judy Garland gedämpft aus den Lautsprechern erklingt.

Mehrfach wiederholt sich in den zwei Stunden der Aufführung dieser Ablauf und fesselt immer wieder neues Publikum auf der Hermannstraße.

„Rainbow“ ist eine künstlerische Performance nach einer Idee von Jürgen Fischer und umgesetzt vom Kreativzentrum-Vest Art.62 und seinen Tanzsolisten.

Mit dem Song „Somewhere over the Rainbow“ als Hintergrund geht es um die künstlerische Auseinandersetzung mit einer bunten Stadtgesellschaft – einer „Regenbogen-Stadt“, die sowohl Konflikte als auch den Wunsch nach Harmonie produziert. Die Performances der vier Tänzerinnen und Tänzer in den mannsgroßen Vitrinen spiegeln Zersplitterung und Isolation ebenso wider wie die Suche nach Identität und den Wunsch nach einem toleranten und lebendigen Miteinander.

Die Initiative STADT.KUNST dankt allen Mitwirkenden, Unterstützern und Förderern für das Zustandekommen dieses ungewöhnlichen Beitrags zu einer künstlerischen Darbietung und Auseinandersetzung im öffentlichen Raum der Stadt Herten.

Die folgende Fotostrecke liefert ein paar Impressionen. Die Fotos stammen von Rainer Lange (quadr. Bildformat) und Wolfgang Seidel (Längsformat).